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Millionenschaden bei Hochwasser in Ruhpolding

Ruhpolding – »Millionenschaden bei Hochwasser in Ruhpolding« titelte das »Traunsteiner Wochenblatt« am 10. August 1991. Überflutete Keller, verschüttete Straßen und Gärten waren zurückgeblieben. Mit viel Glück kamen Menschen nicht zu Schaden.

Es war Donnerstag, der 8. August 1991. Gegen 20 Uhr setzten sintflutartige Niederschläge von Westen her ein. Der nasse Boden konnte den Regen nicht mehr aufnehmen und der Steinbach schwoll innerhalb kürzester Zeit zu einem reißenden Strom an und trat über die Ufer. Durch mitgerissene Felsblöcke, Baumstämme und in Bachbettnähe gelagerte Bretter und sonstiges Material verklausten die Brücken. Durch die Wucht des Hochwassers wurde sogar ein Großteil des Straßenbelags mit dem Straßenunterbau der Obergschwendter Straße weggespült. Bilanz: 130 Haushalte waren betroffen, die Schadenshöhe betrug rund 4,5 Millionen Mark. Bayern erklärte Ruhpolding zum Katastrophengebiet.

Noch in der Nacht rückten rund 200 Feuerwehrmänner aus Ruhpolding und den umliegenden Gemeinden an. Baufirmen stellten Bagger zur Verfügung, um das Treibgut aus dem Bach zu bergen. Am Freitag unterstützte das Ruhpoldinger Patenbataillon, das damalige Gebirgsartilleriebataillon 235 aus Bad Reichenhall, mit 30 Soldaten und am Samstag mit 50 Soldaten die Helfer. Eine spontane Entscheidung des Kommandeurs, denn die Bundeswehr war noch nicht zur Hilfeleistung angefordert worden.

Keller mussten ausgepumpt werden, die Arbeit wurde in vielen Häusern zusätzlich durch umgekippte Öltanks erschwert. Viele Feuerwehrpumpen gaben den Geist auf, denn der viele Schlamm setzte der Leistungsfähigkeit Grenzen. Wären die vielen freiwilligen Helfer, Familienangehörigen, Verwandten und Bekannten nicht gewesen, hätte mancher Betroffene im Schlamm kapitulieren müssen.

Die Gemeinde Ruhpolding organisierte zudem den kostenlosen Abtransport der zerstörten Haushaltsgegenstände und Geräte. Und das waren Unmengen. Leider kamen auch damals schon zahlreiche Schaulustige und behinderten teils massiv die Aufräumungsarbeiten.

Das Bayerische Finanzministerium sicherte unbürokratische finanzielle Hilfe in Höhe von rund 2,5 Millionen Mark zu, die aber nicht zur Auszahlung kamen. In den Richtlinien hieß es nämlich, dass zunächst in erster Linie Verwandte und Nachbarn sowie die Gemeinde zur Hilfeleistung aufgefordert seien. Bei der Prüfung, ob eine Existenzgefährdung vorliegt, konnten nur unmittelbare Schäden geltend gemacht werden, die zur Existenzsicherung notwendig und unaufschiebbar waren und das nur zum »zeitwertangemessenen Betrag«. Außerdem wurde den Betroffenen zugemutet, einen Kredit aufzunehmen, damals als Sonderkondition für Hochwassergeschädigte zu einem Zinssatz von 7,5 Prozent. Vor der Gewährung einer staatlichen Hilfe mussten alle anderen Hilfsmöglichkeiten ausgeschöpft sein.

Doch die finanzielle Hilfe für die Hochwasseropfer blieb dennoch nicht aus. Spontan organisierten die Ruhpoldinger Vereine am 24. August 1991 eine Sonderveranstaltung in der Eissporthalle unter dem Motto: »Helf‘ ma zamm«. Treibende Kraft war damals schon Helmut Müller. Eine Welle der Hilfsbereitschaft durften die Betroffenen spüren. Auf das Spendenkonto wurden letztlich rund 170 000 Mark einbezahlt. Eine neue Interessengemeinschaft unter Vorsitz von Michael Mayer übernahm die Aufgabe, mit Gemeinde, Feuerwehr und Vereinen, die Spenden gerecht an die betroffenen Haushalte zu verteilen.

Als Konsequenz wurde der Steinbach zunächst an der schwächsten Stelle zwischen der Brücke Maiergschwendter Straße und Brücke Hauptstraße tiefer gelegt und das Bachbett verbreitet. Auch die Einmündung des Steinbachs in die Weiße Traun wurde grundlegend saniert. An dieses Bauprojekt am Steinbach, das elf Jahre nach dem »200-jährlichen Hochwasser« fertig war, erinnert an der Brücke Ober-gschwendter Straße ein schlichter Gedenkstein. Er trägt die Jahreszahl 2002. hab

Quelle: Traunsteiner Tagblatt

2016-10-29T09:12:54+00:00