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Geschichte 2016-10-29T09:12:53+00:00

Die Freiwillige Feuerwehr Ruhpolding

Um 1870 war das Feuerlöschwesen noch ziemlich einfach. Es gab zwar schon eine Feuerspritze mit Druckzylinder, aber das Wasser konnte nur weitergedrückt, nicht aber angesaut werden. Als es 1870 beim Vorderrauch brannte, war die nächste Wasserstelle die Urschlauer Ache. Es mussten zwei lange Menschreihen gebildet werden, die das Wasser in leineren Beuteln (Zögger genannt) von der Ache zum Brandplatz weiterreichten. Das Zurückbringen der Beutel und Eimer besorgten die Kinder. Jedes Haus musste einen Wasserzögger haben, mit dem die Bewohner bei einem Brand zur Hilfeleistung erschienen. Außerdem hatte jede Ortschaft eine großen Feuerhacken zum Einreißen der brennenden Holzteile. Den Brandalarm löste man im Ruhpoldinger Tal mit der Kirchenglocke aus, kleine Glocke – kleiner Brand, große Glocke – großer Brand. Brandmelder zu Pferd verständigten die freiwilligen Helfer. Die damalige Wasserpumpe erforderte sehr viel Muskelkraft, deshalb mussten die erschöpften Mannschaften immer wieder abgelöst werden.
Am 26. November 1873 gründeten der Wagnermeister Mathias Speckbacher und der Lehrer Johann Hinterreiter mit 42 tatkräftigen Männern aus dem damals noch getrennten Gemeinden Ruhpolding, Vachenau und Zell die Freiwillige Feuerwehr Ruhpolding, die sie von Anfang an der Unterstützung der beteiligten Gemeinden des Bezirksamtes und des Frostamtes erfreuten konnte und schon 1875 in den Landesverband der Bayerischen Feuerwehren aufgenommen wurden. Unter Leitung bewährter Männer als Vorstände ( darunter zweimal der Ortspfarrer und dreimal der Leiter des Forstamtes) und Kommandanten ging die Entwicklung der Ruhpoldinger Feuerwehr zügig voran.

Die Gemeinde sorgte für eine gute, für eine Landgemeinde mustergültige Ausrüstung mit Löschgeräten.
In der Chronik wurde als erster Einsatz, die Bekämpfung des Brandes am 28. August 1887 beim Danielbauern Haßlberger aufgeführt. 1888 waren der Oberförster Kunkel Vorstand, der Schumachermeister Zwickel Hauptmann und als Adjudant fungierte der Schumachermeister Josef Kriegenhofer. In diesem Jahr plante man den Bau eines Feuerwehrhauses, das aber erst 1895 neben dem Krankenhaus (Ecke Haupt- und Vinzenzistraße) gebaut wurde. Auch in Zell baute man nach der Gemeindezusammenlegung neben der Kirche St. Valentin ein Spritzenhaus. Die dort untergebrachten Wagenspritze mussten mit einem Pferdegespann zum Brandplatz gebracht werden.
Nach dem zweiten Brand beim Gastager in der Schwaig am 16.01.1949 haben sich die Wasener Bauern auf eigene Kosten eine Motospritze gekauft. Von 1889 bis 1894 war der kgl. Forstmeister Besnard Vorstand und der Draxlerbauer Mathias Egger Feuerwehrhautpmann (1889 – 1906) 1895 unter der Vorstandschaft des kgl. Forstmeisters von Kraft konnten bei der Jahreshauptübung am Gasthof >>Alte Post<< bereits 40 Mann freiwillige Feuerwehr und 90 Mann Pflichtfeuerwehr eingesetzt werden. Von 1896 bis 1907 hatte dann der Schmiedemeister Josef Kriegenhofer das Vorstandesamt inne.
Zum 25jährigen Gründungsjubiläum, am 18. August 1901 – drei Jahre vorher hatte man kein Geld zum Feiern – wurde der Feuerwehr in Anerkennung ihrer Verdienste von Gönnern eine prächtige Fahne gewidmet.

Bei den Neuwahlen 1907 wurde der langjährige Kommandant Mathias Egger Vorstand und das Amt der Hauptmanns übernahm Florian Wagner, der dann von 1912 bis 1936 als Vorstand 24 Jahre lang die Geschicke des Vereins leitete. Das Kommandantenamt erhielt 1912 Karl Zeller. Im folgte 1924 Otto Zeller auf diesem Posten, den er ebenfalls 24 Jahre bis 1948 ausübte. Am 17. Juni 1923 wurde das 50jährige Gründungsfest der Freiwilligen Feuerwehr Ruhpolding festlich begangen. In diesen 50 Jahren musste die Ruhpoldinger Wehr 36 größere Brände löschen. Die Festrede hielt Staatsminister Exzellenz Dr. Von Brettreich, der 1924 zum Ehrenmitglied ernannt wurde. Die gleiche Ehrung wurde dem langjährigen Kassier Lorenz Bretzner zu teil.
1926 beschloss man eine totale Umstellung der Ruhpolding Wehr. Die Pflichtfeuerwehr war mit 2 Kompanien auf 400 Mann angewachsen und von einer gründlichen Ausbildung konnte keine Rede mehr sein. Es wurde daher beschlossen, das es in Zukunft aktive und passive Mitglieder geben sollte. Für den aktiven Dienst kamen 60 Mann in Frage, die übrigen konnten sich durch eine Beitrag von 2 RM von den Übungen befreien lassen. Der allgemeine Jahresbeitrag wurde auf 1 RM und die Aufnahmegebühr auf 50 Pfennig festgelegt. Unter Bürgermeister Bartholomäus Schmucker wurde dann die aktive Wehr mit Uniformen ausgestattet.
Am 04. Juli 1929 fiel nach einem fürchterlichen Sturm alle Gebäude in Seehaus, außer der Kapelle, einem Großbrand zum Opfer. Durch Funkenflug war das Hochschindeldach des Seewirts in Brand geraten und in Windeseile breitete sich die Feuersbrunst aus. Dieser Brand war für den Gemeinderat der Anlass, eine Motorspritze mit einer Leistungskraft von 900 Litern pro Minute anzuschaffen. Die Spritze der Frima Magirus kostete 6000 RM.
Dieser Betrag wurde bis auf 500 RM von den Ruhpoldinger Bürgern aufgebracht. Beim Geislergraben wurde dieses >>Wunderwerk der Technik<< (laut Zeitungsberichten) ohne Beigabe eines Hydrantendruckes zur Löschung der Pfarrkirche erprobt und das Löschwasser erreichte leicht den Dachfirst der Kirche.
Im November 1931 rückte die Ruhpolding Feuerwehr erstmals nach Siegsdorf zu einem auswärtigen Brand aus, mit zwei Autos, der Motorspritze und 12 Mann. Dabei kam das zum Motorspritzenauto umgebaute Sanitätsauto erstmals zum Einsatz.
1936 wurde die Pflichtfeuerwehrübung auf 12 pro Jahr festgesetzt. Bei der Inspektion am 6 September dieses Jahres konnte der Kommandant Otto Zeller 18 Dienstgrade und 68 Mann melden. Im Rahmen der im Dritten Reich üblichen Reorganisationsbestrebungen wurden auch neue Dienstgradbezeichnungen eingeführt: Feuerwehrmann, Oberfeuerwehrmann, Lösch-, Brand-, Oberbrand-, Hauptbrandmeister, 1939 bekam die Motorspritze für den Winter einen Schlittenuntersatz. als am 04. Mai 1945 die Amerikaner unseren Ort besetzten, wurden sofort die Feuerwehruniformen und der Mannschaftswagen beschlagnahmt. Als Ersatz bekam die Feuerwehr von der Gemeinde einen LKW, der entsprechend umgebaut wurde. Bei den Neuwahlen 1948 wurde Andreas Wagner 1. Vorsitzender und Kommandant. Ein Jahr später wurde die freiwillige Feuerwehr in den >>Feuerwehrverein<< umgewandelt, 1. Vorstand Gottlieb Pointner. 1951 wurde der Schneidermeister Paul Schmuck zum neuen Kommandanten gewählt. Dieses verantwortliche Amt übernahm 1960 Michael Mayer, der bis zum Jahr 1985 den Einsatz der Ruhpoldinger Feuerwehr leitet.

Im selben Jahr erhielt die Wehr von der Gemeinde einen Fort-Transit, der bis 1978 Dienst leistete. 1962 zählt die Feuerwehr bereits wieder 35 Mann, da sich alle erwachsenen Pfadfinder der Wehr anschlossen. Im selben Jahr wurde eine neues Tanklöschfahrzeug angeschafft. Am 15. Mai 1966 war unter Teilnahme aller Ortsvereine und zahlreicher auswärtigen Vereine die Fahnenweihe der Ruhpolding Feuerwehr. Im gleichen Jahr wurde das alte Feuerwehrhaus neben dem Krankenhaus abgerissen. Die Fahrzeuge und die Geräte wurden im Bauhof der Gemeinde an der Waldbahnstraße untergebracht.
Die Wahlen 1970 ergaben wieder die alte Vorstandschaft: Vorstand Paul Schmuck und Kommandant Michael Mayer. 1971 gründete Heribert Hofherr die Jugendfeuerwehr, aus der bisher acht Löschgruppen mit 64 Mann hervorgingen. Mit großer Begeisterung sind die 14jährigen dabei und schon im November des Jahres erhielten 10 Jugendliche das Jugendleistungsabzeichen. Zum 100jährigen Gründungsfest am 14. Juli 1974 wurde das neue Feuerlöschfahrzeug eingeweiht. Neben der Brandbekämpfung erweiterte sich der Aufgabenbereich der Feuerwehr im Lauf der Zeit immer mehr. Einsatz bei Hochwasserkatastrophen, aber vor allem bei Verkehrsunfällen, erforderten eine Modernisierung der Ausrüstung und eine noch intensivere Ausbildung. So wurden 1979 ein Gerätewagen für den Einsatz bei Verkehrsunfällen angeschafft und mit der Ausrüstung der Feuerwehrmänner für die Funkalarmierung begonnen.
Auf Grund der starken Zunahme der Einsätze und daraus resultierenden Erweitung der Ausrüstung, sowie der verstärkten praktischen und theoretischen Ausbildung wurde der Ruf nach einem neuen Feuerwehrhaus immer dringlicher. 1985 konnte die komplizierte Standortfrage gelöst und mit der Planung begonnen werden. Zuerst entstand die neue Fahrzeughalle an der Waldbahnstraße und am 09. Juli 1989 wurde das neue Feuerwehrhaus eingeweiht. In die Gesamtanlage konnte auch die Bergwacht und das Rote Kreuz untergebracht werden. Der Fahrzeugbestand wurde entsprechend der modernen Entwicklung im Laufe der Zeit erweitert: 1984 ein Tanklöschfahrzeug, 1986 ein Löschgruppenfahrzeug, 1990 ein Tragkraftspritze, 1991 eine Drehleiter, 1995 ein Mehrzweckfahrzeug und 1997 ein Rüstwagen.

1982 wurde der bisherige Vorstand Paul Schmuck (1949 – 1960 Kommandant, 1962 – 1982 Vorstand), Ehrenvorsitzender, von Heribert Hofherr abgelöst (bis 1996, Ehrenvorsitzender). 1985 dankte nach 26jahriger Dienstzeit Michael Mayer sen. als Kommandant ab. Für seine Verdienste wurde er mit einer Urkunde der Bayerischen Staatsregierung und mit der Bürgermedaille der Gemeinde Ruhpolding ausgezeichnet. Sein Nachfolger wurde sein Stellvertreter Engelbert Bachl (bis 1996). Am 18. September 1996 nahm die Feuerwehr am Grabe Abschied von seinem Ehrenvorsitzenden Heribert Hofherr, der in den vergangenen 25 Jahren maßgeblich am Aufbau der Feuerwehr beteiligt war.
Die Neuwahlen 1997 ergaben: 1. Vorstand Michael Mayer jun., Stellvertreter Manfred Hallweger, 1. Kommandant Gerhard Kastner, Stellvertreter Erich Finkenzeller. In diesem Jahr hatte die Feuerwehr 77 Einsätze mit ca. 2000 Stunden, davon 9 Brandbekämpfungen, 1 Fehlalarm und 67 technische Hilfeleistungen aller Arten.
Um eine solide Ausbildung der 68 Feuerwehrleute zu gewährleisten, fanden 54 Übungen statt. Vom 3. bis 12 Juli 1998 feiert die Freiwillige Feuerwehr ihr 125jähriges Jubiläum mit Fahnenweihe. 125 Jahre stehen die Männer der Ruhpoldinger Feuerwehr, einschließlich der beiden Wehren von Zell (Hauptleute: Plenk Anton, Maier Benno, Eisenberger Bartholomäus vom Guggenhaus) und Wasen (Hauptleute: Kecht Friedrich sen. und Kecht Albert), die sich schon lange in das große Ganze integriert haben, für ihre Mitmenschen ein, wenn es gilt, den durch Feuerwehr oder sonstige Naturgewalten bedrohten Nächsten zu helfen. Noch immer gilt der Wahlspruch ihrer Fahne >>Gott zu Ehr, dem Nächsten zur Wehr<< und >>Einer für Alle und Alle für Einen<<.